Saturday, 13 April 2013

Die Wahlen in Venezuela


Chávez im bolivarischen Himmel mit u.a. seiner Oma, Che Guevara, Eva Perón (aber nicht mit ihrem Mann) mit Zamora und, natürlich, mit Bolívar. Video eines staatlichen Fernsehsenders
Erdölpreis pro Fass seit 1998 (OPEC-Durschnitt)

Morgen werden wir schon wieder Präsidentschaftswahlen haben. Ich werde Capriles meiner Stimme geben, aus Prinzip. Meiner Meinung nach wird Maduro aber deutlich gewinnen. Die Erinnerungen an Chávez sind immer noch sehr präsent. Die meisten Leute denken immer noch, dass die Güter und Dienste, die sie in den letzten Jahren bekamen,  Ergebnis der Regierung Chávez und nicht Folge der höchsten Erdölpreise in der modernen Geschichte Venezuelas waren. Auch wenn Maduro ein schlechter Redner ist, auch wenn er sagt, dass der verstorbene Chávez ihm in der Form eines Vogels erscheint und mit ihm spricht, auch wenn die Inflation und die Kriminalität so hoch sind, werden die meisten Menschen Maduro wählen.

Die Regierung hat alle Mittel zur Verfügung. Die Regierung verteilt immer noch chinesische Kühlschränke und Fernsehsender "zu sozialistischen Preisen" (eigentlich nicht billiger als im Ausland), während die privaten Händler sie wegen der strengen Währungskontrolle teuerer verkaufen müssen. Alle Beamten sind gezwungen, für Maduro zu mobilisieren. Tausende staatliche LKWs und PKWs werden morgen eingesetzt werden, um Leute zu transportieren. Die PSUV, die Chavista-Partei, weiss zu jeder Zeit wer schon gewählt hat und wer nicht. Viele Menschen befürchten, dass die Partei mehr weiss. Schliesslich gibt es eine Fingerabdruckmaschine bei jedem Wahllokal, um "wiederholtes Wählen zu verhindern". Der Verteidigungsminister hat schon mehrmals gesagt, dass die Militärs alles unternehmen werden, damit Maduro gewinnt...natürlich, weil das die Demokratie ist, weil das Volk das will (siehe auch hier). Capriles hat versucht, eine Debatte mit Maduro zu führen. So wie bei Chávez, war das nicht möglich.

Die Chavista-Fans im Ausland sagen, die Opposition hat immer noch die Oberhand bei den privaten Medien. In Wirklichkeit ist die Anwesenheit kritischer Stimmen im Radio und im Fernsehen nur in den drei, vier grössten Ballungsräume zu spüren. Anderswo herrscht die Stimme der Regierung. Viel Zeitung lesen die Venezolaner nicht. Die staatlichen Medien können sich erlauben, jeden Tag zu sagen, dass Oppositionellen Maduro ermorden wollen, dass es tatsächlich Gruppen gibt, die einen Putsch planen und ähnliches. Beweise müssen sie nie vorlegen. Und natürlich hört das Volk, dass die Europäer verhungern, dass alles Unterdrückung ist und so weiter. Hier könnt Ihr einen Spanier im venezolanischen Sender VTV hören. Prawda war viel ausgewogener.

Nach den Wahlen wird Maduro gezwungen sein, drastische Massnahmen zu treffen. Er wird sie nicht gleich treffen, die Lage wird sich aber verschlechtern. Venezuela ist eine Zeitbombe: die sehr hohen Erdölpreise werden langsam nicht hoch genug sein.


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